Question to the brain
Werden aus Jugendlichen mit ADHS Erwachsene mit ADHS?
Published: 18.09.2016
Was passiert bei ADHS-Patienten im Kopf und kann sich diese Störung auswachsen, oder sind auch immer mehr Erwachsene betroffen?
The editor's reply is:
Dr. Sarah Hohmann, Leitende Oberärztin, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes– und Jugendalters, Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim: Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bezeichnet eine Verhaltensstörung mit Beginn im Kindesalter. Typisch sind Auffälligkeiten in den Bereichen Aufmerksamkeit, Impulsivität sowie Hyperaktivität, die vor dem siebten Lebensjahr auftreten und mit erheblichen Beeinträchtigungen einhergehen müssen. Betroffen sind etwa sechs Prozent aller Kinder und Jugendlichen, darunter hauptsächlich Jungen. Im Erwachsenenalter beträgt der Anteil Betroffener noch etwa drei Prozent, bei ausgeglichenem Geschlechterverhältnis.
Die biologischen Ursachen von ADHS konnten bisher noch nicht vollständig geklärt werden. Man vermutet, dass neben einigen strukturellen Veränderungen des Gehirns die Signalübertragung zwischen Nervenzellen in bestimmten Gehirnregionen beeinträchtigt ist. Dies scheint insbesondere jene Regionen zu betreffen, die mit Motivation und Belohnung in Verbindung stehen, wie zum Beispiel der Nucleus accumbens im Mittelhirn. So deuten Studien mit funktioneller Bildgebung darauf hin, dass besagte Areale bei Patienten mit ADHS weniger stark auf Belohnungen reagieren als bei nicht Betroffenen.
Auch Gehirnareale, die mit höheren kognitiven Fähigkeiten (wie Impulskontrolle oder Planung) in Verbindung gebracht werden, spielen bei ADHS eine Rolle. Der präfrontale Cortex etwa scheint sich bei Patienten mit ADHS langsamer zu entwickeln.
Zudem gibt es Hinweise darauf, dass auch die Verschaltung einzelner Areale im Gehirn nicht richtig funktioniert. Interessanterweise scheinen sich einige dieser „Kommunikationsprobleme“ durch Medikamente wie Methylphenidat (Handelsname z. B. Ritalin) zu normalisieren. Dies erklärt zumindest teilweise deren positive Wirkung auf die ADHS-Symptomatik. Dazu passen die Befunde modernerer Bildgebungsverfahren, die Anzeichen für Störungen in Faserverbindungen zwischen Gehirnregionen liefern. Auf der anderen Seite widersprechen sich Studien sehr oft, sodass davon auszugehen ist, dass das ADHS sich nicht nur in vielfältigen Verhaltensauffälligkeiten spiegelt, sondern auch „im Kopf“ unterschiedliche Auffälligkeiten auftreten können.
ADHS wird oft als eine Erkrankung im Kindes– und Jugendalter betrachtet. Entsprechend wird von vielen angenommen, dass sich ADHS mit der Zeit „von selbst erledigt“. Die Patienten würden demnach ihrer Krankheit entwachsen. Dazu passt, dass vor allem die Hyperaktivität bei den meisten Patienten bereits im Jugendalter deutlich nachlässt und primär Unaufmerksamkeit und Impulsivität bestehen bleiben.
Im Einklang mit diesen Beobachtungen bestätigte eine große Meta-Analyse, dass sich die ADHS-Symptomatik mit dem Alter verändert. Allerdings liegt der Teufel dabei im Detail: Betrachtet man das Vorliegen einer vollständigen ADHS-Diagnose, so liegt die Persistenz (also der Grad zu dem ein ADHS von der Kindheit/Jugend bis zum Erwachsenenalter vorliegt) im Alter von 25 Jahren bei niedrigen 15 Prozent.
Erfasst man dagegen bedeutsame ADHS-Symptome separat, so finden sich diese noch bei etwa zwei Dritteln der früheren Patienten auch noch im Erwachsenenalter. Dieser Trend scheint sich dabei nicht auf das junge Erwachsenalter zu beschränken: So fand eine Studie aus Neuseeland, dass eine ADHS-Diagnose nur in einem von zwanzig Fällen von der Kindheit bis zum 38. Lebensjahr bestehen bleibt. Trotzdem wies diese Gruppe schlechtere neuropsychologische Testwerte auf, und hatte weiterhin mehr Anpassungsprobleme als Menschen, die nicht in ihrer Kindheit an ADHS erkrankt waren.
Es deutet also vieles darauf hin, dass tatsächlich die Schwere der ADHS-Symptomatik mit dem Alter abnimmt und man, so betrachtet, einer vollständigen Diagnose entwachsen mag. Dennoch scheinen viele Restbeschwerden bestehen zu bleiben. Von einer „Heilung mit Reifung“ kann daher nicht die Rede sein.
Aufgezeichnet von Helge Hasselmann
Motivation
A motive is a reason. When this motive takes effect, the living being feels motivation – it strives to satisfy its need. For example, for food, protection, or reproduction. Motivation can be intrinsic (from within, e.g., curiosity) or extrinsic (from outside, e.g., reward).
Nucleus
In cell biology, the nucleus in a cell is the cell nucleus, which contains the chromosomes, among other things. In neuroanatomy, the nucleus in the nervous system refers to a collection of cell bodies – known as gray matter in the central nervous system and ganglia in the peripheral nervous system.
Nucleus accumbens
The nucleus accumbens is a nucleus in the basal ganglia that receives dopaminergic (dopamine-responsive) inputs from the ventral tegmental area. It is associated with reward and attention, but also with addiction. In pain processing, it is involved in motivational aspects of pain (reward, pain reduction) and in the effect of placebos.
Cortex
cortex cerebri
Cortex refers to a collection of neurons, typically in the form of a thin surface. However, it usually refers to the cerebral cortex, the outermost layer of the cerebrum. It is 2.5 mm to 5 mm thick and rich in nerve cells. The cerebral cortex is heavily folded, comparable to a handkerchief in a cup. This creates numerous convolutions (gyri), fissures (fissurae), and sulci. Unfolded, the surface area of the cortex is approximately 1,800cm².