Question to the brain
Warum ist Mutterliebe so stark?
Published: 04.07.2015
Sie wird viel beschworen und oft besungen: die Mutterliebe. Warum aber ist sie so stark?
The editor's reply is:
Kathryn Abel, Institute of Brain, Behaviour and Mental Health, University of Manchester: Mutterliebe ist eine weise Art von Liebe und mehr als bloßes Verliebtsein. Liebe ist eine Konsequenz unserer sozialen Natur. Mutterliebe muss so stark sein, um das Kind am Leben zu halten. Kleine Kinder brauchen nicht nur komplexe Pflege, um zu überleben, sondern auch viel Zuwendung, damit ihr Gehirn sich korrekt entwickelt. Dazu gehören Berührungen, Nähe und angemessene emotionale und intellektuelle Reaktionen und Anregungen von ihren Bezugspersonen.
Um diesen Bedürfnissen gerecht zu werden, ist emotionale und soziale Intelligenz gefragt. Mütter müssen Gefühle erkennen und gut auf sie reagieren können, immer im Blick haben, was gerade um sie und das Kind herum passiert, vorhersehen, was das Kind als nächstes braucht und sorgfältig vorausplanen.
Mutterliebe hilft ihnen dabei, all dies zu schaffen und sich dabei gut zu fühlen – sie funktioniert als soziale Manipulation der mütterlichen Physiologie. Mütterliche Hormone, die teilweise durch Kontakt mit dem Baby stimuliert werden, fördern die Gefühle, die wir als Mutterliebe bezeichnen: das Gefühl, dass wir alles für den geliebten Mensch tun würden, den Wunsch, sich ihm gegenüber selbstlos zu verhalten, und das Glück und die Geborgenheit, die wir empfinden, wenn wir mit ihm beisammen sind.
Prolactin zum Beispiel wird beim Stillen ausgeschüttet und wirkt wie eine große Dosis Valium – man fühlt sich ruhig und sicher. Das Kuschel– oder Liebeshormon Oxytocin wird ebenfalls beim Stillen und auch unter der Geburt produziert und wirkt auch sehr beruhigend.
Wenn eine Frau Mutter wird, verändern Hormone und Lernprozesse im Umgang mit ihrem Kind auch viel in ihrem Gehirn. Schon in der Schwangerschaft vergrößert sich zum Beispiel die Riechrinde deutlich. Geruch ist extrem wichtig bei der Entstehung von Bindungen. Er stärkt emotionale Erinnerungen im Hippocampus, die für den liebevollen Umgang mit dem eigenen Kind wichtig sind.
Eine Gehirnregion, die eine besonders große Rolle bei der Erkennung und Verarbeitung von Emotionen spielt, ist der Gyrus temporalis superior im Temporallappen. Insbesondere bei Müttern, die sensibel auf ihre Kinder reagieren und sich gut um sie kümmern, aktiviert das eigene Kind diese Region sehr stark.
Das Belohnungssystem ermuntert Mütter, sich auf ihre Kinder einzulassen, indem es Fürsorge mit Glücksgefühlen belohnt. Diese machen einen großen Teil des Gefühls aus, das wir Mutterliebe nennen. Die Gehirnregionen, die bei Süchtigen zum Hoch während eines Drogenrauschs beitragen — zum Beispiel der Nucleus accumbens – werden auch aktiv, wenn eine Mutter ihr Kind sieht. Die Ausschüttung von Dopamin wird als befriedigend empfunden und Oxytocin reduziert Angstreaktionen in der Amygdala. Zusammen ergibt das eine berauschende Kombination aus Wohlgefühl und Liebe.
Eine interessante und wichtige Frage ist, was passiert, wenn dieser Prozess nicht so gut funktioniert, die klassische Mutterliebe also nicht so stark ist. Ungefähr 20 Prozent der Mütter von Neugeborenen zeigen verringerte Sensibilität gegenüber ihren Kindern. Ihre Reaktion im Belohnungssystem und die Aktivität im Gyrus temporalis superior fallen in Vergleich mit anderen Müttern beim Anblick ihres eigenen Kindes schwächer aus. Solche Mütter können es dann zum Beispiel schwierig finden, mit kindlichem Unmut oder stressigen Situationen umzugehen. Sie werden dann vielleicht selbst aufgebracht oder ziehen sich vom Kind zurück. Oder sie bemerken die Signale ihres Kindes einfach nicht ausreichend oder interpretieren sie falsch. Verringerte mütterliche Sensibilität kann viele verschiedene Ursachen haben, und es ist wichtig, diese zu verstehen und zu berücksichtigen, um solchen Müttern zu helfen.
Oxytocin
Oxytocin
Oxytocin is a hormone produced in the paraventricular nucleus and supraoptic nucleus of the hypothalamus and released into the blood via the posterior lobe of the pituitary gland. It initiates contractions during childbirth and supports the milk ejection reflex during breastfeeding. It is also released during orgasm. Oxytocin can promote trust and strengthen pair bonding, but recent findings show that its effects are more complex and, in certain contexts, can also promote separation from out-groups.
Hormone
Hormones are chemical messengers in the body. They serve to transmit information between organs and cells, usually slowly, e.g., to regulate blood sugar levels. Many hormones are produced in glandular cells and released into the blood. At their destination, e.g., an organ, they dock at binding sites and trigger processes inside the cell. Hormones have a broader effect than neurotransmitters; they can influence various functions in many cells of the body.
Nucleus
In cell biology, the nucleus in a cell is the cell nucleus, which contains the chromosomes, among other things. In neuroanatomy, the nucleus in the nervous system refers to a collection of cell bodies – known as gray matter in the central nervous system and ganglia in the peripheral nervous system.
Nucleus accumbens
The nucleus accumbens is a nucleus in the basal ganglia that receives dopaminergic (dopamine-responsive) inputs from the ventral tegmental area. It is associated with reward and attention, but also with addiction. In pain processing, it is involved in motivational aspects of pain (reward, pain reduction) and in the effect of placebos.
Amygdala
corpus amygdaloideum
An important core area in the temporal lobe that is associated with emotions: it evaluates the emotional content of a situation and reacts particularly to threats. In this context, it is also activated by pain stimuli and plays an important role in the emotional evaluation of sensory stimuli. Inaddition, it is involved in linking emotions with memories, emotional learning ability, and social behavior. The amygdala is part of the limbic system.