Question to the brain

Wie kommen die Urlaubserinnerungen zurück?

Questioner: Michaela Dietrich via E-Mail

Published: 12.04.2013

Was passiert in meinem Kopf, wenn ich mich auf einmal an Details aus einem Urlaub erinnere, bloß weil ich einen Film sehe, der dort gedreht wurde?

The editor's reply is:

Prof. Dr. Hans J. Markowitsch, Leiter der Arbeitseinheit Physiologische Psychologie an der Universität Bielefeld:

Das hat mit dem sogenannten episodischen Gedächtnis zu tun. Das ist weitgehend unser autobiografisches Gedächtnis: Man erinnert sich daran, wie man nach der letzten Abiturprüfung freudig aus dem Schulgebäude tobte. Oder man kehrt an einen Urlaubsort zurück und weiß, obwohl man jahrelang nicht mehr daran gedacht hat: Hinter der nächsten Ecke ist ein Tempel. Dieses besondere Gedächtnis erlaubt also mentale Zeitreisen.

Dazu muss aber erst einmal ein Erlebnis ins episodische Gedächtnis eingespeist und dort abgelegt werden. Das funktioniert so: Zunächst einmal nehmen wir die Informationen über unsere Sinnessysteme wahr. Beim Beispiel mit dem Urlaub sehen wir den Tempel, wir riechen die fremden Gewürze, wir spüren die warm-​feuchte Luft in dem fernen Urlaubsland. Vom Kurzzeit-​Gedächtnis gehen die Informationen ins limbische System: Die Amygdala sorgt für eine emotionale Kolorierung und der Hippocampus sorgt dafür, dass die Informationen ins Langzeit-​Gedächtnis übertragen werden. Der erlebte Moment wird dann als einzelne Episode in der Hirnrinde eingelagert.

Wenn wir später noch einmal an den Ort zurückkehren oder dieser Ort auch nur in einem Film auftaucht, dann wird die lange zurück liegende Episode wieder abgerufen. Dabei aktiviert die temporofrontale Rindenregion Areale im Schläfen– und Scheitellappen. Dabei werden biografische Erinnerungen aktiviert, die vor allem in der rechten Hirnhälfte weiter hinten liegen. Zugleich werden auch Fakten abgerufen, die in der linken Hirnhälfte liegen. Die Erinnerungen und Fakten werden „neu repräsentiert“, sagen wir Wissenschaftler. Wir fühlen uns dadurch zurückversetzt.

Besonders gut lernt das episodische Gedächtnis, wenn ein Erlebnis außergewöhnlich oder sogar einmalig ist. Deswegen erinnern wir uns an Urlaube gut. Und an viele Situationen aus unserer Kindheit oder Jugend: Da haben wir vieles zum ersten Mal getan oder wahrgenommen. Und wer später viermal heiratet, bei dem ist die vierte Hochzeit sicher nicht so gut im episodischen Gedächtnis abgespeichert wie die erste Hochzeit.

In der Fachwelt wird auch diskutiert, inwiefern das autobiografische Gedächtnis und das episodische Gedächtnis identisch sind oder ob sie unterschiedliche Dinge meinen. Die meisten Menschen benutzen beide Begriffe synonym, auch ich. Es werden bei der gespeicherten Episode ja nicht nur Raum und Zeit zugeordnet, sondern es geht auch darum, wie man sich in dem Moment gefühlt hat.

Manchmal wird auch der vergessene Einkaufszettel als Beispiel für das episodische Gedächtnis genannt. Sicher, es hat den Charakter des episodischen Gedächtnisses, wenn man ohne Einkaufszettel im Supermarkt steht: Man erinnert sich daran, ob man die Liste gehetzt zwischen Tür und Angel geschrieben hat oder entspannt bei schöner Musik am Frühstückstisch. Allerdings erinnern wir uns auch daran, dass auf dem Zettel stand, was eigentlich immer drauf steht. Das entspricht einem semantischen Charakter und gehört damit eher zum Gedächtnis, das Fakten speichert, nämlich zum Wissenssystem.

Aufgezeichnet von Franziska Badenschier

Amygdala

corpus amygdaloideum

An important core area in the temporal lobe that is associated with emotions: it evaluates the emotional content of a situation and reacts particularly to threats. In this context, it is also activated by pain stimuli and plays an important role in the emotional evaluation of sensory stimuli. Inaddition, it is involved in linking emotions with memories, emotional learning ability, and social behavior. The amygdala is part of the limbic system. 

Hippocampus

The hippocampus is the largest part of the archicortex and an area in the temporal lobe. It is also an important part of the limbic system. Functionally, it is involved in memory processes, but also in spatial orientation and learning. It comprises the subiculum, the dentate gyrus, and the Ammon's horn with its four fields CA1-CA4.

Changes in the structure of the hippocampus due to stress are associated with chronic pain. The hippocampus also plays an important role in the amplification of pain through anxiety.

License Terms

No user license granted: View only allowed.