Allein oder in der Gruppe: So werden Sie kreativ

Grafikerin: Meike Ufer
Allein oder in der Gruppe

Kreativ sein auf Knopfdruck – schön wär’s. Allerdings muss auch niemand darauf warten, von der Muse geküsst zu werden. Mehr als 200 Techniken soll es geben, um kreativer zu werden. Ein paar grundlegende Tricks können auch schon reichen.

Scientific support: Prof. Dr. Ernst Pöppel

Published: 26.02.2013

Das Wichtigste in Kürze

Denken und Kreativität lassen sich verbessern: Davon ist Edward de Bono überzeugt. Unzählige Ratgeber wurden bereits geschrieben. Mehr als 200 Techniken soll es geben, um die Ideen nur so sprudeln zu lassen. Ob oder was diese taugen, ist schwer zu sagen: Weltweit gibt es nur ein paar Kreativitätsforscher. Immerhin liefern ein paar neurowissenschaftliche Studien Hinweise, wie das Gehirn zum Geistesblitz-Generator werden kann. Unsere Ratgeber-Liste:

  • Führen Sie ein Brainstorming durch – und zwar richtig!
  • Werden Sie in Gruppen kreativ!
  • Trainieren Sie das Handwerk!
  • Seien Sie neugierig und verknüpfen Sie die Eindrücke!
  • Nehmen Sie sich Zeit!
Was ist Kreativität?

Die Definitionen für Kreativität sind wahrlich kreativ: Es gibt keine einheitliche Begriffsbestimmung. Der kleinste gemeinsame Nenner ist wohl, dass Kreativität eine Art des Denkens ist, bei dem Neues oder Nützliches entstehen kann. So fasste es der Intelligenz- und Kreativitätsforscher Robert Sternberg zusammen. Manche beziehen Kreativität nur auf einzelne Menschen, andere eher auf eine Gruppe.

Der Begriff Kreativität hat seinen Ursprung im Lateinischen: „creare“ bedeutet erschaffen, gebären oder zeugen; „crescere“ steht für entstehen oder wachsen. Manche Kreativitätsforscher verstehen deswegen unter Kreativität, dass man zum einen etwas aktiv tut und zum anderen auch etwas passiv geschehen lässt.

Denken und Kreativität lassen sich verbessern. Davon ist Edward de Bono überzeugt: Er ist einer der Väter der Kreativitätsforschung. 1933 wurde er geboren. 80 Jahre später hat der Brite 62 Bücher veröffentlicht, die in 37 Sprachen übersetzt wurden und in 54 Ländern erhältlich sind. Wer kreativer werden möchte, kann nun all diese Bücher lesen (und die unzähligen Ratgeber, die es außerdem gibt). Für den Einstieg haben wir Ihnen schon einmal eine kleine Check-​Liste zusammengestellt.

Führen Sie ein Brainstorming durch – und zwar richtig!

Brainstorming ist die wohl bekannteste Kreativitätstechnik. Richtig durchgeführt wird sie aber selten, kritisieren Künstler und Kreativitätsberater: Wenn alle nur Ideen in den Raum werfen, aber niemand sie protokolliert, ist die Mühe umsonst. Außerdem würden Ideen leicht zu früh gekillt – nämlich sofort. Das bemängelt unter anderem Ralph Buchner, der an der Hochschule München Kreativitätsseminare für Design-​Studierende durchführt: “Da hebt jemand die Augenbraue oder sagt: So ein Schmarrn. Dann ist es kein Wunder, wenn sich jemand schämt oder sich gar nicht erst traut, eine Idee auszusprechen.”

Erst wenn alle Ideen gesammelt sind, dürfe die Gruppe beginnen, die Ideen zu bewerten. Wenn diese Trennung wieder einmal nicht klappt, dann empfiehlt Buchner eine Fahrradhupe: “Die rügt akustisch jeden Ideen-​Killer.” Wenn beim anschließenden Hup-​Konzert alle anfangen zu lachen, sei das umso besser, sagt Buchner: “Ein Ideen-​Meeting darf gerne auch eine Slapstick-​Komödie sein. Humor macht auch kreativ.”

Werden Sie in Gruppen kreativ!

“Großartige Entdeckungen und Verbesserungen erfordern immer die Kooperation vieler Köpfe.” Dieses Bonmot soll vom Telefon-​Tüftler Alexander Graham Bell stammen. Und tatsächlich: Warten Sie nicht im stillen Kämmerlein auf den Heureka-​Moment! Geistesblitze tauchen nämlich eher in Gruppen auf.

Ein Grund für diese “soziale Kreativität” könnte sein: Kreativität ist ansteckend. Das ergab eine 2012 veröffentlichte Studie des österreichischen Kreativitätsforschers Andreas Fink. In seinem Experiment sollten sich Versuchsteilnehmer während einer funktionellen Magnetresonanztomografie möglichst viele Verwendungszwecke für einen Backstein oder eine Büroklammer überlegen (Im Kopf des Künstlers). Manche konnten dann auf einem Display weitere originelle Antworten ablesen; die anderen lasen bedeutungslose Pseudo-​Wörter. Ergebnis: Die kognitive Stimulation mit weiteren Ideen habe die Kreativität erhöht; vor allem die Schläfen– und Scheitellappen waren dann aktiver.

Funktionelle Magnetresonanztomographie

Funktionelle Magnetresonanztomographie/-/functional magnetic resonance imaging

Eine Modifikation der Magnetresonanztomographie oder –tomografie (MRT, englisch MRI) die die Messung des regionalen Körperstoffwechsels erlaubt. In der Hirnforschung wird besonders häufig der BOLD-​Kontrast (blood oxygen level dependent) verwendet, der das unterschiedliche magnetische Verhalten sauerstoffreichen und sauerstoffarmen Bluts nutzt. Ein hoher Sauerstoffverbrauch kann mit erhöhter Aktivität korreliert werden. fMRT-​Messungen haben eine gute räumliche Auflösung und erlauben so detaillierte Information über die Aktivität eines bestimmten Areals im Gehirn.

Parietallappen

Parietallappen/Lobus parietalis/parietal lobe

Wird auch Scheitellappen genannt und ist einer der vier großen Lappen der Großhirnrinde. Er liegt hinter dem Frontal– und oberhalb des Occipitallappens. In seinem vorderen Bereich finden somatosensorische Prozesse statt, im hinteren werden sensorische Informationen integriert, wodurch eine Handhabung von Objekten und die Orientierung im Raum ermöglicht werden.

Trainieren Sie das Handwerk!

Übung macht den Meister, heißt es oft. Das gilt auch für kreatives Arbeiten. “Das klingt erst einmal komisch”, gibt der Kunst-​Dozent Ralph Buchner zu: “Etwas ständig zu wiederholen, ist nicht kreativ.” Allerdings: Ein Maler müsse erst einmal Bilder kopieren, um etwas über Farbe, Komposition und Technik zu lernen. Und ein Musiker könne erst dann kreativ spielen oder gar komponieren, wenn er sein Instrument auch richtig beherrscht. “Da muss man durchaus elendig oft und lange üben”, sagt Buchner.

Psychologen haben sogar einmal nachgerechnet – und zwar bei Violinisten der Hochschule der Künste in Berlin: Die Stars mit dem Zeug zur Solisten-​Karriere hatten in mindestens zehn Jahren insgesamt mehr als 10.000 Stunden geübt. Das schrieben der Schwede K. Anders Ericsson und die Deutschen Ralf Thomas Krampe und Clemens Tesch-​Römer 1993. Die Stars hatten früher mit dem Üben angefangen und auch intensiver geübt als jene Kommilitonen, die später “nur” gute Orchestermusiker oder Geigenlehrer wurden.

Der US-​Journalist Malcolm Gladwell trug daraufhin weitere Beispiele zusammen: So war Wolfgang Amadeus Mozart vier Jahre alt, als sein Vater Leopold ihm beibrachte, Klavier zu spielen. Und der ungarische Lehrer László Polgár formte seine drei Töchter regelrecht zu Schach-​Genies. Deswegen schlussfolgerte Gladwell in seinem Buch “Überflieger”: Aus einem Naturtalent wird ohne Üben kein Meister – mit Üben aber durchaus.

So wurde die 10.000-Stunden-Regel zum Klassiker. Dabei sind die 10.000 Stunden keine “magische Grenze”, schon gar nicht eine wissenschaftlich untermauerte. Ericsson, Krampe und Tesch-​Römer hatten selbst darauf hingewiesen: Es kommt eher darauf an, dass man möglichst jung mit dem Üben anfängt.

Seien Sie neugierig und verknüpfen Sie die Eindrücke!

Querdenken ist wohl eines der Lieblingswörter von Kreativitätsberatern. Dieser Begriff geht zurück auf Edward de Bono: “lateral thinking” war für ihn die Möglichkeit schlechthin, um Ideen zu finden und Probleme zu lösen. Dabei verknüpfe man Bekanntes auf bislang unbekannte Weise miteinander. Der Kreativitätsforscher Joy Paul Guilford bezeichnete das auch als “divergentes Denken” (Im Kopf des Künstlers) – im Gegensatz zum “vertikalen Denken”, bei dem ein Problem nach einem bestimmten Ablaufplan Punkt für Punkt gelöst wird.

Um möglichst viel zu wissen und zu kennen, das man auch miteinander verknüpfen kann, sollte man offen sein für Neues: reisen, lesen, Künstlergalerien besuchen, die Augen offen halten.

Auge

Augapfel/Bulbus oculi/eye bulb

Das Auge ist das Sinnesorgan zur Wahrnehmung von Lichtreizen – von elektromagnetischer Strahlung eines bestimmten Frequenzbereiches. Das für den Menschen sichtbare Licht liegt im Bereich zwischen 380 und 780 Nanometer.

Nehmen Sie sich Zeit!

Ein typisches Problem: Man hat sich intensiv mit einem Problem beschäftigt und trotzdem will einem die zündende Idee nicht einfallen. Da hilft nur: Problem liegen lassen und nicht daran denken! Dann kann es in einem gären. Inkubation nennen Wissenschaftler diese Phase im kreativen Prozess. Geduld! Dann kann der Gedankenblitz umso besser einschlagen.

zum Weiterlesen:

  • Fink, A. et al.: Stimulating creativity via the exposure to other people’s ideas. Human Brain Mapping 2012 Nov; 33(11):2603 – 2610. (zum Abstract).
  • Holm-​Hadulla, Rainer Matthias: Leidenschaft: Goethes Weg zur Kreativität. Eine Psychobiographie, Göttingen 2008.
  • Pöppel, Ernst und Wagner, Beatrice: Von Natur aus kreativ. Die Potenziale des Gehirns entfalten, München 2012.

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One comment

Thorsten Ohler 20.01.2017
Gerade auch dem Unterbewusstsein Zeit zu lassen, sich an der Ideenfindung zu beteiligen wird von John Cleese in einer Präsentation zum Thema Kreativität als wichtigen Weg der Ideenfindung genannt:

Die 5 Voraussetzungen für kreatives Arbeiten die er nennt lesen sich wie eine Anleitung. Ich habe sie auf www.chartflipper.de zusammengefasst:

http://www.chartflipper.de/kreativit%C3%A4t-probleml%C3%B6sung/something-completely-different/

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