Question to the brain
Wie funktioniert Schönheit neurobiologisch?
Published: 21.11.2015
Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters. Oder im Gehirn? Wie funktioniert die Wahrnehmung von Schönheit eigentlich auf neurobiologischer Ebene?
The editor's reply is:
Prof. Christoph Redies, Experimentelle Ästhetik, Universitätsklinikum Jena: Das wissen wir noch nicht genau. Es gibt aber zwei Ansätze, diese Fragestellung zu untersuchen. Beim ersten untersucht man mittels funktioneller Bildgebung, wie das Gehirn reagiert, wenn wir etwas Schönes betrachten. Dabei werden unterschiedliche Hirnregionen angesprochen, insbesondere die folgenden drei Netzwerke: das Belohnungssystem, besonders der mediale orbitofrontale Cortex, desweiteren die Amygdala und andere Zentren, die etwas mit moralischer Bewertung zu tun haben, und schließlich das so genannte „default mode network“. Dieses ist aktiv, wenn wir den Gedanken freien Lauf lassen, uns also nicht auf einen externen Reiz oder eine Aufgabe fokussieren. Neuere Studien zeigten jedoch, dass Aufgaben, die eine Art von Introspektion oder Selbstreflektion erfordern – etwa das Betrachten von Kunst –, dieses Netzwerk ebenso aktivieren.
Der zweite Ansatz, den auch meine Arbeitsgruppe verfolgt, stellt die Frage: Welche Eigenschaften müssen Kunstwerke, Gesichter oder Körper haben, damit wir sie als schön empfinden? Diese sind je nach Objekt unterschiedlich. Ein schönes Bild zum Beispiel sollte nicht zu simpel, aber auch nicht zu komplex sein. Außerdem mögen wir es skalierungsinvariant, das heißt Teile eines Bildes sollten eine ähnliche visuelle Struktur aufweisen wie das Gesamtbild. So entsteht ein gleich bleibendes Verhältnis zwischen groben und feinen Strukturen – egal wie nah man an das Bild herantritt. Dieses Prinzip ist in der Natur weit verbreitet, so dass schöné Kunst möglicherweise die Adaptation unseres Sinnessystems auf natürliche Reize nutzt.
Doch Gesichter sind nicht skalierungsinvariant – trotzdem gefallen sie uns. Insbesondere, wenn sie symmetrisch sind. Man vermutet, dass diese Symmetrie die genetische Fitness signalisiert, da symmetrische Gesichter im Zusammenhang mit einer gesunden Entwicklung stehen. Doch schön ist nicht gleich schön. Nehmen wir zum Beispiel Dürers „Bildnis der Mutter“: ein sehr gutes Bild, doch die faltige Haut der alten Mutter ist nicht attraktiv. So gibt es einen Schönheitsbegriff, der allgemeiner Natur ist, also unabhängig davon, was gezeigt wird, und einen domänenspezifischen Schönheitsbegriff, welcher abhängig davon ist, was wir jeweils betrachten. Das Gehirn verarbeitet beide Arten von Schönheit höchstwahrscheinlich anders: Während mehrere unterschiedliche Regionen die allgemeine Schönheit bewerten, werden die spezielleren Schönheitsbegriffe möglicherweise in ganz bestimmten Hirnregionen verarbeitet. Zum Beispiel ist der fusiforme Gyrus essentiell für die neuronale Verarbeitung von Gesichtern.
Und schließlich gibt es noch die ganz individuellen Vorlieben. Was wir persönlich als schön empfinden, hängt nicht nur vom Aufbau des Objektes ab, welches wir betrachten, sondern auch von der Vereinbarkeit mit dem eigenen Kulturkreis sowie der individuellen Prägung – also den ganz persönlichen Erfahrungen, die für die einzigartige Vernetzung eines jeden Gehirns sorgen. So liegt Schönheit am Ende immer im Auge des Betrachters.
Aufgezeichnet von Nicole Paschek
Amygdala
corpus amygdaloideum
An important core area in the temporal lobe that is associated with emotions: it evaluates the emotional content of a situation and reacts particularly to threats. In this context, it is also activated by pain stimuli and plays an important role in the emotional evaluation of sensory stimuli. Inaddition, it is involved in linking emotions with memories, emotional learning ability, and social behavior. The amygdala is part of the limbic system.
Adaptation
Adaptation/-/adaptation
Adaptation refers to the process by which the sensory organs, the perceptual system, or the entire organism adjusts to the intensity and quality of stimuli and to changes in environmental conditions. In visual adaptation, for example, the pupil and the sensitivity of the photoreceptors regulate themselves according to the prevailing light conditions.